Obst- und Gartenbauverein Nieder-Stoll e.V.

Ausflug ins Burgmuseum nach Schlitz (2006)
Landschaftspflege in Nieder-Stoll
Landschaftspflege in Nieder-Stoll
Landschaftspflege in Nieder-Stoll

Bei unseren Nachforschungen mußten wir leider feststellen, daß sich die Chronik unseres Vereines nur gesichert bis ins Jahr 1952 zurück verfolgen läßt.
Von den Jahren 1890 bis 1952 existieren die Unterlagen nur lückenhaft.
Waren es die Kriegswirren des 1. und 2. Weltkrieges oder einfach nur Schlamperei, das weiß heute niemand mehr zu sagen.
Trotzdem möchte ich den Versuch wagen uns ins Gründungsjahr 1890 zu versetzen.
In den schweren Zeiten am Ende des 19. Jahrhunderts lag die Landwirtschaft und der Obst- und Gartenbau sehr im Argen, sodaß auf regierungsseitiger Anregung hin, Obst- und Gartenbauvereine gegründet wurden. So auch in Nieder-Stoll. Es war also nicht die Initiative der Bürger, sondern die Behörden verfolgten das Ziel, durch die Gründung der Obst- und Gartenbauvereine, die Versorgung der Bevölkerung mit Obst und Gemüse und landwirtschaftlichen Produkten zu verbessern.
Der Verein wurde also sozusagen auf behördlichen Wunsch hin gegründet, das hatte zur Folge, daß in den meisten Vereinen der Bürgermeister auch gleichzeitig 1. Vorsitzender war.
Erwähnenswert ist auch, daß zu jener Zeit schon ein Bienenzüchterverein in Nieder-Stoll existierte. Vorsitzender war der damalige Lehrer Eurich.

 

Während des 1. Weltkrieges ruhte die Vereinstätigkeit.
Bevor der 2. Weltkrieg wiederum die Vereinstätigkeit zum vollständigen Erliegen brachte, gibt es noch von einigen erwähnenswerten Aktivitäten des Vereines zu berichten.
So berichtete uns Valentin Mangel von einem Vortrag über den Obstbau auf den Feldern. Der Referent war der Meinung, daß man auf den Feldern zwischen den Obstbäumen ohne weiteres z.B. Getreideanbau betreiben könne. Diese neuen Methoden und Erkenntnisse stießen aber in Nieder-Stoll überwiegend auf Ablehnung. Trotzdem war der Vortrag nicht umsonst, denn es wurden daraufhin an verschiedenen ortsnahen Bereichen und Feldrändern Obstbäume angepflanzt.
Ferner können sich einige Mitglieder an den Eisenbahnwaggon mit den Zwetschgen erinnern. Dieses muß wohl in den 30iger Jahren gewesen sein, als man mit Schubkarren und Handwagen zum Bahnhof marschierte und von dort futterkorbweise die Zwetschgen heimbrachte. In den darauffolgenden Tagen konnte man es überall in den Häusern riechen und schmecken, denn es wurde Mus gekocht.

 

1952 hatte der Obst- und Gartenbauverein wieder einen Vorsitzenden. Karl März hatte sich bereit erklärt, den Verein zu führen. Er sah eine wichtige Aufgabe darin, den Obst- und Gemüsebau vereinsmäßig zu fördern.
So wurde 1954 die Obstausstellung in Schlitz besucht und eigenes Obst ausgestellt. Ein von der Gemeinde angelegtes Obstbaumstück wurde von unserem Baumwart Heinrich Becker betreut.
Durch die Auflösung der Baumschule in Schlitz wurden dem Verein 25 Jungbäume kostenlos zur Verfügung gestellt.
Der Verein zählte damals 26 Mitglieder.
Karl März ist übrigens der erste Vereinsvorsitzende den man namentlich benennen kann.
In den folgenden Jahren ging die Vereinstätigkeit mehr und mehr zurück. Es fand sich niemand mehr, der die Beiträge kassierte, sodaß im Laufe der Zeit sogar die Entrichtung der Abgaben gegenüber dem Kreis- und Landesverband unterblieb und der Verein Schulden hatte.

 

1963 wurde in einer außerordentlichen Generalversammlung über die Auflösung oder das Weiterbestehen des Vereines entschieden.
Nach längerer Beratung wurde folgendes beschlossen:
1.Der Verein bleibt bestehen
2.Georg Decher wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt
3.Ein außerordentlicher Beitrag wird zwecks Schuldentilgung von den Mitgliedern erhoben
Von nun an ging es in unserem Verein wieder bergauf. Das Ziel war nicht mehr nur der Obst- und Gartenbau, sondern mehr das kulturelle Vereinsleben. So wurden die Jahreshauptversammlungen mit anschließendem gemütlichen Beisammensein bei Kaffee, Kuchen und Blumenverlosung durchgeführt. Ferner nahm man 1966 zum ersten Mal bei dem Landeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ teil. Das Engagement lag darin, Säuberungsaktionen auf dem Friedhof und an Rainen durchzuführen, Ruhebänke aufzustellen und Blumenkübel zu bepflanzen. Selbstverständlich wurden auch die Bürger aufgefordert den eigenen Bereich wie Haus, Hof und Garten zu verschönern.
In diesem Zusammenhang ist auch das Anbringen von Straßennamensschildern zu sehen.
1972 trat Georg Decher von seinem Amt als 1. Vorsitzender zurück und Georg Quanz wurde an seiner Stelle gewählt.
Die Aufgabenstellung unseres Vereines hatte sich nun ganz und gar verändert. In den Vordergrund trat die Dorfverschönerung. So ist es auch nicht verwunderlich, daß man 1972 im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ Bezirkssieger wurde und ein Jahr später auf Gebietsebene 4. Sieger.
Verantwortlich für den 1. Altennachmittag, der in Nieder-Stoll 1975 durchgeführt wurde, war auch der Obst- und Gartenbauverein.

 

Heinrich Nierula, der ab 1975 drei Jahre die Vereinsführung inne hatte, setzte die Vereinsarbeit kontinuierlich fort.

 

Im Februar 1978 wurde erneut Georg Quanz für 3 Jahre zum Vereinsvorsitzenden gewählt.

 

In diese 3 Jahre fiel am 16.08.1980 das 90-jährige Bestehen des Obst- und Gartenbauvereins Nieder-Stoll. Die Feier wurde in der Schützenhalle (KK-Schießstand) durchgeführt. Der Kreisverband überreichte eine Goldmedaille mit Urkunde. Fritz Kumpf, ein echter Schlitzerländer, überbrachte die Glückwünsche des Landrates und des Kreisausschusses. Die Stadt Schlitz war durch Stadtrat Wahl vertreten.

 

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte wurde am 6. Februar 1981 eine Frau und zwar Helga Lips zur Vereinsvorsitzenden gewählt. Georg Quanz, der aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat, wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Am 22. August 1981 feierte der Kreisverband in Lauterbach sein 150-jähriges Bestehen. Helga Lips, Heinrich Jumel und Heinrich Nierula überbrachten die Glückwünsche unseres Vereines.
Auf Anregung von Helga Lips wurde am 16. Dezember 1981 zum ersten Mal eine Nikolausfeier für die Kinder von Nieder-Stoll ausgerichtet. In den folgenden Jahren haben dann die Mütter die Organisation dieser Veranstaltung übernommen.
Am 29. November 1983 faßte der Vorstand einen bemerkenswerten Beschluß. Im Protokollbuch ist folgendes zu lesen: „Der Vorstand beschließt, daß bei Beerdigungen grundsätzlich keine Kränze mehr niedergelegt werden“. Unser Motto: „Blumen zu Lebzeiten“.

 

Am 14. Januar 1984 wurde erneut Heinrich Nierula, der von 1975 bis 1978 schon einmal 1. Mann des Vereines war, zum Vorsitzenden gewählt. Durch sein Engagement entwickelt sich ein reges Vereinsleben. So werden jedes Jahr ein Familienabend mit Tanz und Blumenverlosung und eine Tagesfahrt durchgeführt. Nicht zu vergessen sind die Wanderungen und bis 1985 die 7malige Teilnahme an dem Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“.
Ab 1985 beteiligte sich der Verein sehr erfolgreich mit einer Damenmannschaft an der Dorfolympiade. Außerdem ist man verantwortlich für das Aufstellen von Ruhebänken rund um unser schönes Dorf.
Unter der Regie von Heinrich Nierula konnte der Verein im August 1990 das 100-jährige Jubiläum, verbunden mit dem Bloatz- und Dorffest, in großem Rahmen im Festzelt vor dem Dorfgemeinschaftshaus feiern.
Der Verein führte aus diesem Anlaß zum ersten Mal Ehrungen für 40- und 25-jährige Mitgliedschaft durch. Für 40 Jahre wurden 2 Mitglieder und für 25 Jahre 14 Mitglieder, vom 1. Vorsitzenden des Kreisverbandes Heinrich Döring, geehrt.

 

Anläßlich der Generalversammlung am 13. März 1993 stellte Heinrich Nierula die 1. Satzung unseres Vereines vor. Sie wurde an diesem Abend einstimmig von 27 Mitgliedern angenommen. Danach wurde am 23. März 1993 ein Antrag auf Gemeinnützigkeit des Obst- und Gartenbauvereins Nieder-Stoll beim Finanzamt Lauterbach gestellt. Seit dem nennt der Verein sich Obst- und Gartenbauverein Nieder-Stoll e. V..
Im August 1993 richtete der Verein das Bloatz- und Dorffest wieder aus. Es wurden bei diesem Fest 12 Mitglieder für 40-jährige und 3 Mitglieder für 25-jährige Mitgliedschaft geehrt.

 

Die Aktivitäten des Vereines werden immer mehr. So werden Bastelabende angeboten, Videofilme gezeigt und Dia-Vorträge gehalten. Diese Veranstaltungen werden von den Mitgliedern mit großem Interesse angenommen.
Am 1. Oktober 1995 betrat der Verein wieder einmal Neuland. Zusammen mit Herrn Pfarrer Sachs feierte man das Erntedankfest, das fortan zu einem festen Bestandteil unserer Vereinsgeschichte wurde. Der Erlös von diesem Fest wird alljährlich der Kinderkrebshilfe gespendet.
Im Frühjahr 1996 pflanzte der Verein oberhalb der alten Bahnlinie 7 Obstbäume und 2 Haselsträucher. Bezuschußt wurde diese Pflanzaktion von der Unteren Naturschutzbehörde.
Das Bloatz- und Dorffest wurde im August 1996 wieder von unserem Verein durchgeführt. Georg Susemichel als stellvertretender Kreisvorsitzender ehrte 3 Mitglieder für 25-jährige Mitgliedschaft.

 

Bei der Generalversammlung am 31. Januar 1997 übergab Heinrich Nierula den Vereinsvorsitz an Herbert Mann. Mit dem neuen Vorsitzenden kamen auch wieder neue Ideen. So werden seit 1998 nach der Wanderung leckere Hähnchen im Backhaus zubereitet.
Nach einer längeren Pause nahm Nieder-Stoll im Jahre 1999 wieder einmal am Wettbewerb „Unser Dorf“ teil. In unserer Klasse beteiligten sich 22 Dörfer. Wir belegten den 7. Platz.

 

Verbunden mit dem 110-jährigen Jubiläum richteten wir im Jahre 2000 wieder das Bloatz- und Dorffest aus. Es wurden geehrt für 40-jährige Mitgliedschaft 2 Mitglieder, für 25-jährige Mitgliedschaft 6 Mitglieder, für 25-jährige Vorstandsarbeit 2 Mitglieder und für 15-jährige Vorstandsarbeit 4 Mitglieder.


 
Dorfverschönerung und Erneuerung war im Juni 2001 wieder angesagt. Am Friedhof wurden die Rabatten beim Kriegsgräberdenkmal neu angelegt und am unteren Eingang der linke Hang neu gepflanzt. Die Pflanzen wurden vom Amt für Regionalentwichlung und Landschaftspflege bezogen und von der Stadt Schlitz bezahlt. Im November pflanzten wir dann die Beete um die Bushaltestelle neu an.
Die Kosten übernahm unser Verein.
Auch im Jahre 2002 nahm Nieder-Stoll wieder am Wettbewerb „Unser Dorf“ teil. Wir kamen in unserer Klasse auf den 7. Platz.
Bei den anfallenden Aktivitäten anläßlich der Teilnahme am Wettbewerb angagierte sich unser Verein in vielfältiger Weise.

 

Am 31. Januar 2003 fand eine Generalversammlung mit Neuwahlen des gesamten Vorstandes statt. Es gab in diesem Jahr Veränderungen. Die langjährigen Vorstandsmitglieder Heinrich Nierula und Margret Bohl gingen in den verdienten Ruhestand. Neu in den Vorstand kam Bianca Barth und Martin Becker.

 

Anläßlich des Bloatz- und Dorffestes welches unser Verein im August 2003 durchführte, wurden wieder einige Ehrungen vorgenommen. Für 50-jährige Mitgliedschaft wurden 11 Mitglieder geehrt, für 40-jährige Mitgliedschaft 3 Mitglieder, für 25-jährige Mitgliedschaft 1 Mitglied und für 15-jähre Vorstandsarbeit 2 Mitglieder.

 

Eine große Anschaffung wurde am 4. Mai 2004 getätigt. Zusammen mit der Feuerwehr und dem Schützenverein kauften wir die Lagerhalle der Raiffeisen-Warengenossenschaft Kreutzersgrund.
Die Fenster des Dorfgemeinschaftshauses wurden im Dezember 2004 ausgeschmückt. Unser Verein kaufte 9 Pflanzen mit Übertöpfen.

 

In all den Jahren haben sich die Ziele unseres Obst- und Gartenbauvereines in vielfältiger Hinsicht verändert. War es früher die Ernährungssicherung, so ist es heute das kulturelle Vereinsleben. Gerade die Erhaltung unserer natürlichen und damit auch einer gesunden Umwelt wird wohl die künftige Aufgabe nicht nur unseres Vereines, sondern auch der gesamten Bevölkerung sein.

 

Der Vorstand des Obst- und Gartenbauvereins Nieder-Stoll e.V.

Der amtierende Vorstand setzt sich wie folgt zusammen:

 

1. Vorsitzender Heinrich Lips
2. Vorsitzender Karl Bernges
Schriftführer Robert Zimmermann
Rechnerin Elke Becker
Beisitzerin Bianca Barth
Beisitzerin Waltraud Malkmus
Beisitzer Martin Becker

 

Zur Zeit hat der Verein 65 Mitglieder.

Zum Schluß wünschen wir uns, möge es immer Menschen geben, die bereit sind, aktiv am Vereins- und Dorfleben teilzunehmen.

Nieder-Stoll, im März 2014